Die verborgenen Dimensionen

 

Paolo Caverzasio wurde am 24. Februar 1956 in Mendrisio  geboren. Fast seine ganze Karriere hat er im Informatik und Bankenumfeld verbracht. Er arbeitet und lebt in Comano und wechselt das Fotografieren mit seiner anderen grossen Leidenschaft ab: dem Segeln.

 

In Comano und Magliaso, hat ihn der Kunstkritiker Dalmazio Ambrosioni eingeführt. Es handelt sich um Grossformatfotos mit grosser Wirkung.

 «Das Ziel für mich, sagt Paolo Caverzasio ist Raum, Licht und Zeit im symbolischen Sinn zu fixieren. Unmöglich auf der physischen Ebene, möglich aber auf der künstlerischen Ebene, wo diese Fügung zur Schwelle der Schönheit wird.»

 

“RAUM, LICHT, ZEIT” (Das ist zugleich der Titel der Ausstellung 2018) dass sind die drei primären Hauptdimension. Um den Sinn einen Augenblick zu erfassen braucht es nichts anderes als: ein Spiel zwischen Licht, Raum und Zeit. EinSchuss. Das Glas zerbirst, der farbige Inhalt zerstreut sich zusammen mit den Glaskristallen. Es entsteht ein neuer Zustand, der durch einen Schuss erzeugt wurde, besser gesagt durch ein Projektil, egal wie klein dieses sein mag. Welches jedoch auf der Fotografie nicht vorhanden ist. Ich versichere Ihnen, dass es nicht da ist, selbst wenn man es mit der Lupe sucht. Man sieht bloss die Auswirkungen. Es ist ein Wimpernschlag, ein Bruchteil einer Sekunde vor dem Auslösen des Fotos vorbeigeschossen, im exakten Moment als das Glas zu explodieren begann und mit ihm sein Inhalt. Einen Augenblick zuvor, ein klitzekleines bisschen früher, ein Hauch von einem Nichts. Wäre dies nur einen kleinen Moment früher geschehen, würden wir es sehen; wäre dies einen kleinen Moment später geschehen, wären die Glaskristalle und die Farbe weiter weg. Sowohl im einen wie auch im anderen Fall wäre die Situation eine völlig andere.

 

Ein Schuss ein einziges Fotogramm, die Wahreiht eines Augenblicks.

 

Alle Fotos sind mit einer Sony RMIII und die Objektive SONY 2.8 70-200mm APO G-MASTER und SONY 24-70 G-MASTER sowie Zeiss BATIS 1.8 85mm und Fujifilm GFX 100 mit objektives Fujinon GF 120mm f/4 R LM OIS WR Macro und Fujinon GF 250mm f/4 R LM OIS WR realisiert worden.

    

…. Zitat D.Ambrosioni “Das sind die Fotografien von Paolo Caverzasio, unerwartet und atemberaubend. Sätze mit einer unmöglichen Ausdrucksstruktur: Es fehlt das Subjekt (das Projektil), es fehlt das Prädikat (der Schuss), es bleibt nur das Akkusativobjekt (wenn es in Scherben geht) in seiner wunderbaren Einzigartigkeit. Diese Fotografien machen auch und vor allem das sichtbar, was nicht ist. Was nicht mehr ist.” “Die letzte Fotografien sind einfach “erregend” wie Ambrosioni es definiert, fantastisch spectakulär in der Farbe die sich im Raum zertstreuen sowie die Kristallscherben und dass durch den Schuss eines Präzisionsgewehrs (TIKKA TA3x TAC A1 mit Visiers Rodenstock HD) von einer Entfernung zwischen 100m und 300m.

Stand Di Tiro 100 – 300 m

Auch mit Flüssigkeit gefüllte Luftballone die durch einen Pfeil einer Armbrust, aus einer Entfernung von ca.  80m durchbohrt werden (Balestra BARNETT VICIOUS mit einem  Rodenstock Visier)

Um die Bedeutung eines Augenblicks zu erfassen, gibt es nichts anderes:  Ein Spiel des Lichts, ein eingegrenzter Raum, die Zeit, die in diesem Augenblick einfriert und diesen möglicherweise für die Ewigkeit bewahrt.

So sind meine jüngsten Fotografien entstanden: Das Glas im Augenblick, da es in Scherben geht; die Wasserkrone die sich nach dem Aufprall eines Eiswürfel von der Oberfläche löst; die Wolken des vom Projektil und Pfeil durchschossenen Staubs. Es sind „konstruierte“ Bilder. Ich baue sie auf und durch diesen Aufbau ist es mir möglich, die Bewegung einzufangen. 

Bisweilen wird dabei auf die Verwendung von Projektilen zurückgegriffen, die die verschiedenen Gegenstände anschiessen. Das Projektil ist in keinem Fall sichtbar.

Ich habe es stets vom Blickfeld ausgeschlossen, weil es ein Instrument des Todes ist. Ich habe es verwendet, um zu dem zu gelangen, was ich mit dieser Art von Bildern ausdrücken möchte und was eng mit meiner persönlichen Erfahrung verknüpft ist: Der Tod und die Wiedergeburt.

 

Das Gefühl, das ich vermitteln will, ist genau das der Wiedergeburt. Nichts stirbt, alles lebt erneut in einer anderen Form. Was stirbt verschwindet nicht, das entsprechende Sein erreicht einen neuen Existenzzustand. Das ist es, was ich durch die Dynamik dieser Fotografien ausdrücken möchte.

 

Glas voll mit farbigem Pulver drückt im Ruhezustand nichts aus. Dasselbe Glas, das in Scherben geht, mit der Farbe, die in alle Richtungen zerstiebt, gibt der Materie eine andere Bedeutung, die nur einen Bruchteil einer Sekunde anhält. Es ist diese neue Bedeutung, die ich in meinen Fotografien festzuhalten versuche.  Meine Bilder zeigen dass unser Leben nicht wiederholbar nicht reproduzierbar ist.

Unser Leben ist die Summe von Augenblicken, Erfahrungen einzelne Momente von Freude oder Trauer die unser Schicksal für immer verändern. Diese Augenblicke öffnen neue Dimensionen neue in uns versteckte unbekannte Ressourcen die an unserem Leben eine andere Farbe geben kann die von - Schwarz Weiss - kann wieder farbig werden.

 

Paolo Caverzasio

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